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1/ Ich bin katholisch aufgewachsen. Ein zentraler Grund, warum ich gläubig war: Die Parameter der Welt -- Sauerstoff, Temperatur, Schwerkraft etc. -- fallen genau so aus, dass sie unser Leben ermöglichen. Das Universum ist perfekt auf uns abgestimmt. Das kann kein Zufall sein.🧵

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2/ Das ist ein Trugschluss, der sich aus einem Selektionseffekt ergibt. Im kreationistischen Argument selektieren wir a posteriori unsere Existenz als Grundlage der Analyse.

3/ Dabei ignorieren wir, dass es a priori ganz viele andere Welten hätte geben können. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Menschen zufällig entstehen, ist a priori sehr klein. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas entsteht, ist a priori aber deutlich grösser.

4/ Es ist wie im Lotto: Die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet Hans Müller den Jackpot knackt, ist praktisch Null. Die Wahrscheinlichkeit, dass *irgendjemand* den Jackpot knackt, ist relativ hoch.

5/ Wenn wir Lotto a posteriori anhand von Hans Müller analysieren, kommen wir zum falschen Schluss, dass das doch nicht Zufall gewesen sein kann.

Das allseits bekannte Lotto-Spiel ist kein Argument für Kreationismus oder Antikreationismus. Das Spiel ist so angelegt, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Gewinner gibt. Ein 6er im Lotto ist nicht immer "das sichere Ereignis mit Q=1". Als Kind Lotto spielender Eltern, die in "Westberlin"

Lotto spielten, gab es öfter bei einer Ziehung keinen 6er Gewinner. Ganz einfach, denn die Anzahl der Lottospieler in der Westberliner Lotto-Gesellschaft konnte niemals die erforderliche Anzahl an Spielern für das sichere Ereignis aufbringen. Die Wahrscheinlichkeit mit einem Lotto-Tipp einen 6er

zu landen beträgt ungefähr 1 : 14 Millionen (man berechne 49 über 6). Damals zählte Westberlin gerade einmal 2,2 Millionen Einwohner. Was aber bei dieser Betrachtung völlig außer Acht gelassen wird, das ist die bedingte Wahrscheinlichkeit. Diese wird exponentiell kleiner. Beispiel 6 mit Jackpot.