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Die Jugendlichen haben noch nicht einmal demonstriert, da spielt die Junge Union Berlin-Mitte schon Feldherr. Ihr Feindbild: Schülerinnen und Schüler, die gegen die Politik der Bundesregierung protestieren wollen. Ihre Antwort auf junge Menschen, die ihre demokratischen Rechte wahrnehmen:

Bundeswehr, Amtshilfe, Proteste unterbinden. Fehlt eigentlich nur noch die Ausgangssperre fürs Klassenzimmer und ein Feldjäger vor dem Lehrerzimmer. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen:

Eine Jugendorganisation, die sich demokratisch nennt, möchte das Militär gegen die eigene Jugend mobilisieren. Nicht gegen einen bewaffneten Angriff, nicht gegen eine Naturkatastrophe, sondern gegen junge Menschen, die auf die Straße gehen wollen.

Offenbar ist das Demokratieverständnis der JU ungefähr so belastbar wie ein Pappkamerad auf dem Truppenübungsplatz. Die Bundeswehr ist keine pädagogische Prügeltruppe für eine Generation, deren politische Meinung der Union nicht in den Kram passt.

Das Grundgesetz ist auch kein Betriebsreglement für eine autoritäre Erziehungsanstalt, in der die Jugend gefälligst die Klappe hält, strammsteht und dankbar für die Zukunft ist, die man ihr gerade verbaut.

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Und die historische Ironie ist kaum zu überbieten: Ausgerechnet in diesem Land, dessen Geschichte erklärt, warum militärische Macht im Inneren so streng begrenzt ist, kommt der politische Nachwuchs der Union auf die Idee, Soldaten gegen protestierende Jugendliche in Stellung zu bringen.

Geschichte als Schulfach offenbar bestanden. Lektion verstanden: mangelhaft. Das Muster ist unverkennbar. Erst werden junge Menschen als Störenfriede markiert, dann werden ihre Proteste vorab diskreditiert, dann wird mit Härte und Gnadenlosigkeit gedroht,

und schließlich soll das Militär die demokratische Unbequemlichkeit beseitigen. Die Demonstration hat noch nicht stattgefunden, aber der politische Gegner wird schon behandelt, als müsse man ihn militärisch befrieden. Das ist keine Stärke. Das ist autoritäre Feigheit im Tarnfleck.

Wer politische Forderungen nicht mit Argumenten beantworten kann, träumt offenbar irgendwann davon, sie mit Uniformen zum Schweigen zu bringen. Wer Angst vor protestierenden Jugendlichen hat,sollte sich vielleicht weniger Gedanken über die Bundeswehr und mehr Gedanken über die eigene Politik machen.