Unser Kinopodcast "Dust in the Wind" ist aus der verspäteten Sommerpause zurück. Diesmal sprechen Lukas und Dunja mit Andrea Kuhn (Nuremberg International Human Rights Film Festival) über Caroline Kox' freie Elfriede-Jelinek-Verfilmung "Liebhaberinnen".
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Zwei Kumpels fläzen kraftlos auf dem Sofa, ein langes, zugedröhntes Abhängen. Ekrem Engizeks "Koxa" ist schläfrig und fuzzy, manchmal lustig, manchmal erschreckend fies."Ein Film zum Reinziehen", in SD. Silvia Szymanski im neuesten Teil ihrer Reihe zum deutschen Gangsterfilm.
Es geht um alternde Körper, darum, was es für eine Frau bedeutet, ihr Leben lang ihren Körper vermarkten zu müssen. Luca Schepers über Caroline Kox' Elfriede-Jelinek-Adaption „Liebhaberinnen“, ab Donnerstag im Kino.
Bora Dagtekins Nachfolger zu "Das perfekte Geheimnis" widmet sich wieder dem Beziehungschaos neurotischer Großstädter, diesmal auf Malle. Der Schwung der Gossip-Komödie wird dabei ausgebremst vom Hang der Figuren zu biederem Gelaber. Lukas Foerster über "Der perfekte Urlaub", ab Donnerstag im Kino.
Daniela Magnani-Hüller rekonstruiert ein Ereignis, das 14 Jahre zurückliegt. Ein “verliebter” Mitschüler hat sie damals auf der Straße mit einem Messer attackiert. Nun befragt sie Menschen, die mit der Sache zu tun hatten. Ekkehard Knörer über "Was an Empfindsamkeit bleibt", neu in der ZDF-Mediathek
Ein Lacrimafilm (eine dezidiert italienische Spielart des Melodrams), der den Zeitgeist zu fassen bekommt und doch über ihn hinausweist: Regisseur Armando Nanuzzi zeigt eine Gesellschaft, die ihr eigenes Leben, Handeln und Wohnen hinterfragt. André Malberg über "The Tree With Pink Leaves" (1974).
Bettina Böhlers Doku über Christoph Schlingensief ist filmgewordener letzter Wille, etwas zwischen Mythosbildung und wehmütigem Abgesang, bei dem der Künstler selbst zum Erzähler wird. Anne Küper über "Schlingensief - In das Schweigen hineinschreien", neul in der ARD-Mediathek.
John C. Holmes war der größte Star des “Porn Chic” der 70er. Dem Dokumentarfilmer Cass Paley gelingt eine faszinierende Studie dieses nach Ruhm, Sex, Drogen und Anerkennung hungrigen Mannes. Sascha Kellermann über "Wadd: The Life & Times of John C. Holmes", neu auf Blu-ray bei @vinsyn.bsky.social
Angela Schanelecs Darsteller wollen nicht richtig spielen. Ihre Darbietung wird von jeglichem Ornament befreit; die tiefe Melancholie der Figuren ebenso offengelegt wie die Eigenheiten in der physischen Präsenz der Darsteller. Michael Kienzl über "Ich war zuhause, aber", neu in der Arte-Mediathek.
Yüksel Yavuz' von ansteckender Dringlichkeit und Aufrichtigkeit durchzogener Film erzählt von der innigen Freundschaft zweier in Hamburg gestrandeter Jungs ohne Papiere. Till Kadritzke über "Kleine Freiheit", den man gerade neu restauriert bei @filmfriend.bsky.social schauen kann.
Romain Gavras Reichen-Satire macht sich mit großem Material- und Staraufgebot über liberale Eliten lustig. Für die Reichen, die aktuell tatsächlich am Drücker sind, interessiert sie sich leider nicht. Maximilian Steinborn über "Sacrifice", ab morgen im Kino.
Ein geheimnisvoller Heimkehrer will einfach nicht mehr verschwinden. Kreuz und quer geht das Begehren in Alain Guiraudies Film, der einen Krimiplot spinnt, aber auch ins boulevardkomödienhafte ausschert. Ekkehard Knörer über "Misericordia", neu in der Arte-Mediathek.
Die Zerrissenheit einer Gebäudereinigungs-Objektleiterin als Sinnbild für die Verwerfungen des modernen Arbeitsmarkts. Kilian Armando Friedrichs Film überträgt das Stressgefühl seiner Hauptfigur auf die Zuschauer. Jannik Howind über "Ich verstehe ihren Unmut", aktuell in der ZDF-Mediathek.
Das Münchner Underdox ist ein eigenwilliger Monolith unter den Dokumentarfilmfestivals, dem es nicht um Wettbewerb sondern um Echos und Verzweigung geht. Zur Eröffnung wurde schwelgerisch das Polymorph-Perverse gefeiert und sich fröhlich über Institutionen erhoben. Annette Brauerhoch berichtet.
Ein Mann nimmt Beifahrer mit, um Benzingeld zu sparen: Berückend simpel konstruiert Sebastian Brameshubers neuer Film eine Situation für Begegnungen und Gespräche, in der zwar nichts endgültig geklärt, aber alles verhandelt werden kann. Lukas Foerster über "London", ab Donnerstag im Kino.
Ein Krabbeltier namens Rihanna verwandelt einen Wohnkomplex in der Pariser Banlieue in eine Wildnis anderer Art. Sébastien Vanicek mischt auf eigenwillige Art Sozialdrama, Spinnen-Horror und actionreichen Überlebenskampf. Michael Kienzl über "Spiders - Ihr Biss ist der Tod", neu in der ZDFMediathek.
Ein cooles, kleines Musik-Buddymovie, bei dem alles den Bach runter geht. Alexis Sorbas hat über sein Pech getanzt, auch diese Jungs hier tun ihr Bestes. Silvia Szymanski schreibt in ihrer Reihe zum deutschen Gangsterfilm über Özgür Yildirims "Blutzbrüdaz".
Der südkoreanische Regisseur Yeon Sang-ho hat sich mit "Train to Busan" als feste Größe des Zombiefilms etabliert. In seinem neuen Film experimentiert ein wahnsinniger Wissenschaftler mit überzeugend bedrohlichen, wild beweglichen und KI-haft lernfähigen Untoten. Pascal Ehrlich über "Colony".
Knallhart präsentiert sich in Aaron Sorkins Facebook-Abrechnung die postfaktische Gesellschaft. Der Film möchte Mark Zuckerberg und dem Meta-Konzern weh tun, fühlt sich aber vor allem ziemlich irrelevant an. Vielleicht liegt eben darin seine Stärke. Robert Wagner über "The Social Reckoning".
Basierend auf seinem für die Zeitschrift Stern verfassten Tatsachenroman erzählt Will Tremper von einem Bauern und einem Parteifunktionär, die Hals über Kopf über die westdeutsche Grenze wollen. Michael Kienzl über "Flucht nach Berlin", den es gerade in der Mediathek der Deutschen Kinemathek gibt.
Christliche Echos in einem Bordell und eine Pilgerreise zu Death-Metal-Klängen: Die Filme des diesjährigen Filmfest Hamburg hatten die angenehme Bereitschaft, ihre Erzählung links liegen zu lassen, wenn es stattdessen Bilder zu entdecken gibt. Florian Weigl berichtet.
Das orangene Einhorn Buddy tanzt nicht nur gerne, sondern terrorisiert auch Kinder, die nicht folgsam sind. Casper Kellys surreale Horrorkomödie dekonstruiert 90er-Jahre-Kindershows und ist zugleich ideenfreudiger Slasher und unterkomplexe Mediensatire. Fabian Lutz über "Buddy".
Als sich Ale und Alex nach 14 Jahren Beziehung trennen, treffen sie die ungewöhnliche Entscheidung, das groß zu feiern. Der Weg zu dieser Party ist in Jonás Truebas Film von allerlei Situationskomik und leisen Zweifeln geprägt. Till Kadritzke über "Volveréis", den es neu in der Arte-Mediathek gibt.
Viel Empathie für viele, neue Resonanzräume und jede Menge Zen-Blau: Mike Flannagans Serienremake des Horrorklassikers verpasst dem katholischen Inferno des Originals ein protestantisch-gewissenhaftes Update. Russell Edwin über "Carrie", ab heute bei Amazon.
Das Filmhaus Nürnberg zeigt ab dem 7.10. eine Alfred-Vohrer-Retrospektive. Als ein zentraler Regisseur des Unterhaltungskinos seiner Zeit hat er Krimis, Meldodramen, Komödien und vieles mehr gedreht; alle seiner Filme brechen dabei lustvoll mit Genrekonventionen. Text von Robert Wagner.
Der russische Überfall auf seine Heimat stürzt einen in München lebenden Ukrainer in eine Krise. Mit produktiver Unruhe erkundet Mykyta Gibalenko die Spannungen zwischen denen, die gehen wollten, und denen, die gehen mussten. Nataliia Serebriakova über "Camouflage", ab Donnerstag im Kino.
Nachts auf Tel Aviver Dächern stellen Yuval Abraham + Rachel Szor Mitgliedern des israelischen Militärs nüchterne Verständnisfragen über ihre Einsätze in Gaza. Die Diskrepanz der Antworten zu den Alltagsszenen in den Fenstern der umliegenden Stadt ist schwer zu ertragen. Leonard Krähmer über "NAZA".
Leg dich nicht mit Karen an! Roberta Findlays Film funktioniert als stupider Sexstreifen genauso gut wie als experimenteller Horrorfilm. Mit psychotischer Energie durchkreuzt er die Pornoroutine. Fabian Lutz über "A Woman's Torment", der am Samstag beim Wiener Slash läuft und bei Mubi steht.
Eine Eisscholle löst sich und droht, Europa platt zu machen. Schuld daran: US-Milliardär und Unsympath Digger Rockwell. Tom Cruise gibt im Fatsuit sein Bestes, doch Regisseur Alejandro G. Iñárritus Panoptikum der Niedertracht bleibt eine selbstgenügsame Anstrengung. Michael Kienzl über "Digger".
Warum wir leben, warum wir leiden: Wenn wir es doch nur wüssten! Tschechows Geist schwebt in Doris Dörries Komödie, in der Angela Winkler einen empathischen Pflegeroboter bekommt. Es geht ums Alter und ums Sterben. Aber es ist nicht ernst. Silvia Szymanski über "Frau Winkler verlässt das Haus".
An einem Cruising-Strand im Hinterland Südfrankreichs eröffnet sich eine fast märchenhafte Welt des Begehrens. Bis mit einem mysteriösen Besucher, der dem jungen Tom Selleck ähnelt, eine Mordserie beginnt. Frédéric Jaeger über Alain Guiraudies "Der Fremde am See", aktuell in der Arte-Mediathek.
Die leidenschaftlichen Vogelbeobachter*innen in Ulrike Frankes und Michael Loekens Doku faszinieren durch ihre von gesteigerter Aufmerksamkeit geleitete Lebensweise. Und Star-Literat Jonathan Franzen sagt wohlklingend Geistreiches. Leonard Krähmer über "Watching People Watching Birds".
Lea Hartlaub sammelt Geschichten über Giraffen. Sie dokumentiert und assoziiert, was aber durch das Tier immer einen klaren Zusammenhalt hat, so sehr sich die Spuren in alle Welt zerstreuen. Ekkehard Knörer über "sr", der unter dem Titel "Von Menschen und Giraffen" in der Arte-Mediathek steht.
"To Catch a Predator" hieß ein erfolgreiches Format des US-Senders NBC, dem es um die inszenierte Zurschaustellung potentieller Sexualstraftäter ging. Lance Oppenheims Film schildert die Show und ihre Umstände als Fiebertraum einer korrupten, implodierenden Welt. Robert Wagner über "Primetime".
Trottelcop & Butt-kicking Babe gegen CGI-Aliens: Im teuersten koreanischen Film aller Zeiten, greift der bislang für seine düsteren Filme bekannte Na Hong-jin tief in die Popcornkinotüte und steuert 160 Minuten lang auf ein polarisierendes Finale zu. Martin Gobbin über "Hope", ab 8.10. im Kino.
Gerard Damiano wollte den Hardcore-Film in künstlerische Höhen treiben. Nach seinem Achtungserfolg mit „Deep Throat“ erzählt er eine frei auf Jean-Paul Sartre basierende Geschichte zwischen Ekstase und Leid. Sascha Kellermann über „Der Teufel in Miss Jones“, den man gerade bei Mubi streamen kann.
Der 70-jährige Vicente genießt sein schwules Leben auf Gran Canaria. Bis er nach einem Schlaganfall erneut um seine Freiheit kämpfen muss. Einfühlsam erzählt der Film von queerem Altern und der zerstörerischen Beharrlichkeit des Schweigens. Carl Christian Jamka über "Maspalomas".
Fahnenflüchtig in einem autoritären Deutschland nach der „Zeitenwende“: Nicolas Ehrets Langfilmdebüt will ein Kommentar zur gegenwärtigen Aufrüstungsdebatte sein und bedient sich dafür aus dem Standard-Baukasten des dystopischen Kinos. Maximilian Steinborn über "Morgen war Krieg".
Rund um zwei Heimkehrer im bulgarischen Svilengrad deutet sich ein Mafia-Plot an. Dabei geht Regisseurin Valeska Grisebach, für die Ort und Laiendarsteller bestimmend für die Geschichte sind, mit der Behutsamkeit einer Archäologin vor. Ekkehard Knörer über "Das geträumte Abenteuer".
Ab Mittwoch sucht das Wiener @slashfilmfestival.bsky.social nach dem Schönen im Schiachen: Leichenberge treffen auf den Horror moderner Arbeitswelten, ein queerer Animationsfilm setzt auf anarchischen Spaß und die Retrospektive huldigt dem Grindhouse-Kino. Pascal Ehrlich gibt Tipps fürs Festival.
Nachdem Marielle von einer Mitschülerin geohrfeigt wurde, hat die Teenagerin gegen ihren Willen Zugang zur psychischen Erlebniswelt ihrer Eltern. Lukas Foerster über Frédéric Hambaleks klug reduzierte und erfreulich zynismusferne Ehekomödie „Was Marielle weiß“, die neu in der ZDF-Mediathek steht.
2022 kandidierte Musiker Dominik Wlazny für das Amt des Bundespräsidenten von Österreich. Mit Witz und Sympathie folgt der Dokumentarfilm ihm bei seinem Wahlkampf und hinterfragt dabei auch die Rolle des Außenseiters. Carl Christian Jamka über "Highway to Hofburg", der gerade durch Österreich tourt.
Die Katharsis steckt in der Fähigkeit, über den Tod zu lachen, die Schönheit im Leid zu erkennen, zu verstehen, dass wir in unserer Einsamkeit ironischerweise nicht alleine sind. Samuel Bereuther über Matthias Glasners multiperspektivisches Familienepos "Sterben", neu in der Arte-Mediathek.
In Visar Morinas Sozialdrama über eine Familie im Kosovo treffen dörfliche Werte auf die kapitalistische Moderne. In der Stadt muss der Protagonist feststellen, dass es hier etwas ganz anderes bedeutet, „ein guter Mann" zu sein. Yasemin Kaplan über "Von Scham und Geld", ab Donnerstag im Kino.
Yasuzo Masumura verkörpert das japanische Kino wie kaum ein anderer: zwischen Neuer Welle + populären Studiofilmen, zwischen europäischen Einflüssen + kritischer Distanz zur westlichen Konsumkultur. Lukas Foerster mit einem angemssen epischen Porträt eines Regisseurs, der in keinerlei Schema passt.
In ständiger Schockstarre: Zach Creggers Reboot der Filmreihe bietet alles von stimmungsvoller Suspense bis zum gorigen Körpermatschfest. Das nackte Grauen opfert der Film dabei immer wieder seinem Hang zur guten Laune. Robert Wagner über "Resident Evil".
Eine perfekte Bobo-Existenz wird von Missbrauchsvorwürfen erschüttert: Marie Kreutzer erzählt eindringlich vom Schaudern, wenn ein geliebter Mensch plötzlich fremd und bedrohlich wird, verheddert sich dann aber in einem Dickicht aus Diskursen und Nebenfiguren. Pascal Ehrlich über "Gentle Monster".
In seinem Essayfilm blickt Patricio Guzmán (1941-2026) in die Atacamawüste, wo astronomische Stationen die Entstehung des Kosmos' erforschen und Hinterbliebene nach Überresten der Opfer des Pinochet-Regimes suchen. Rochus Wolff über "Nostalgie des Lichts" als Stream bei @filmfriend.bsky.social
Die Chance, Reality-TV-Star zu werden, will die junge Liane für eine Flucht aus den Verhältnissen nutzen. Im aufgerauten Look eines Sozialdramas erzählt Agathe Riedinger in ihrem Regiedebüt eine Aufstiegsgeschichte voller Abstiege. Gerit ter Horst über "Wilder Diamant", neu in der ARD-Mediathek.
Prinzessin Soraya, in den 50ern Ehefrau des Schahs von Persien, war Staatsrepräsentantin mit Bescheidenheit und Eleganz. In einem Omnibusfilm erprobt sie sich als Schauspielerin. Gelungen ist vor allem Michelangelo Antonionis Episode. Annette Brauerhoch über "Die drei Gesichter einer Frau".