Jochen Tetzlaff

Jochen Tetzlaff

@jochenthomas.bsky.social

Baut sich ein zweites Gehirn in Obsidian, hostet selbst und versucht die Welt zu verstehen. TUXEDO OS, Nextcloud, zu viele offene Tabs. https://blog.jochen-tetzlaff.online

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Nello S. aus Pompei besitzt vier Lastwagen. Ein Reifen koste jetzt 700 Euro statt 240, der Liter Diesel 2,20 oder 2,30 Euro statt 1,55 im Vorjahr. Was der Ministerrat am 22. Oktober beschloss, nennt er „völlig unzureichend“. Über den Lkw- und Bauernprotest in Italiens Süden. 🧵

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Das Dekret vom 23. Oktober kostet 322 Millionen Euro. Knapp ein Sechstel davon bezahlt Überstunden der Polizei. 40 Millionen stammen aus einer Dünger-Hilfe, die die Regierung den Landwirten im Mai zugesagt und nie anwendbar gemacht hatte. Gestrichen wurde sie im selben Zug.

Als „spanisches Modell“ kündigte die Regierung eine Regel für den Dieselanteil am Frachtpreis an. Verbindlich ist der Mindestanteil nur, wo kein schriftlicher Vertrag besteht. Die Regel gilt dort, wo sie nötig ist, und hängt an der Macht, die dort fehlt. #Italien #Diesel #Logistik

blog.jochen-tetzlaff.onlineWer trägt das Dieselrisiko? Der Lkw- und Bauernprotest in Italiens SüdenIm Oktober 2026 legten Fuhrunternehmer und Bauern den Süden Italiens lahm. Die Krisenrente bleibt in der Raffination, das Risiko wandert zu den Kleinsten, und dazwischen zahlt ein Staat — spät, nach Kriterien, die gerade sie ausschließen.

Nello S. aus Pompei besitzt vier Lastwagen. Ein Reifen koste jetzt 700 Euro statt 240, der Liter Diesel 2,20 oder 2,30 Euro statt 1,55 im Vorjahr. Was der Ministerrat am 22. Oktober beschloss, nennt er „völlig unzureichend“. Über den Lkw- und Bauernprotest in Italiens Süden. 🧵

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Unten: Im Register stehen rund 99.000 Betriebe, knapp 90 Prozent mit weniger als 20 Fahrzeugen. Viele fahren als Subunternehmer zu einem Abschlag, der laut Regulierungsbehörde nicht immer auf Effizienz beruht, sondern auf weniger Marktmacht. Rund 21.000 eingetragene Betriebe haben kein Fahrzeug.

Dazwischen zahlt der Staat: eine Steuergutschrift auf die Diesel-Mehrkosten, seit März, sieben Monate lang nicht gutgeschrieben. Sie gilt erst ab 7,5 Tonnen und ab Euro 5 und hilft nur dem, der genug Steuern schuldet, um sie zu verrechnen. Die Kriterien schließen gerade die Kleinsten aus.

Nello S. aus Pompei besitzt vier Lastwagen. Ein Reifen koste jetzt 700 Euro statt 240, der Liter Diesel 2,20 oder 2,30 Euro statt 1,55 im Vorjahr. Was der Ministerrat am 22. Oktober beschloss, nennt er „völlig unzureichend“. Über den Lkw- und Bauernprotest in Italiens Süden. 🧵

Im Oktober haben Fuhrunternehmer und Landwirte den Süden Italiens lahmgelegt. Warum standen Betriebe wie seiner auf der Straße und nicht die großen Logistikkonzerne? Die Antwort liegt in der Kette, über die der Dieselpreis weitergereicht wird. Oben bleibt die Krisenrente, unten landet das Risiko.

Oben: Ohne Steuern lag der Dieselpreis Mitte September 71,7 Prozent über dem Jahresbeginn. Eni hob die Prognose seiner Raffinationsmarge von 6 auf 14 Dollar je Barrel, bereinigter Gewinn in neun Monaten: 6,4 Milliarden Euro. Eine Steuer auf Öl- und Raffinationsgewinne erhob die Regierung nicht.

„Software is over. But for real. I just one-shotted Photoshop. The whole thing.“ Das schrieb am 1. Oktober ein Hacker-News-Nutzer, in einem Thread über Jobs. Eine Woche später war daraus eine Schlagzeile geworden: Entwickler lässt KI Adobes Creative Cloud nachbauen und verschenkt sie. 🧵

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Drittens: „Von KI gebaut“ ist richtig und unvollständig. An PhotoCraft haben in zwei Wochen mehrere hundert Menschen mitgeschrieben, dazu kommen weit über tausend Fehlermeldungen: Qualitätssicherung, unbezahlt. Die Berichte sprechen von einem einzelnen Entwickler oder einem „home coder“.

Die Bilder zum Text sind mit zwei der Apps entstanden, gesteuert von meinem KI-Agenten per MCP. Das funktioniert. Der Klon gleicht dem Original aber nur aus dem Blickwinkel, für den er gebaut ist: der Oberfläche. Software ist nicht vorbei, nur die Rechnung geht woanders hin. #KI #OpenSource #Adobe

blog.jochen-tetzlaff.onlineAdobe für alle? Was die Klon-Fabrik wirklich verschenktDreizehn Open-Source-Nachbauten von Photoshop bis AutoCAD, in zwei Wochen mit Claude geschrieben und verschenkt. Die Schlagzeile dazu lautet: Software ist vorbei. Der Kommentar, aus dem sie stammt, das Projekt selbst und ein Selbstversuch mit den Apps erzählen etwas anderes.

„Software is over. But for real. I just one-shotted Photoshop. The whole thing.“ Das schrieb am 1. Oktober ein Hacker-News-Nutzer, in einem Thread über Jobs. Eine Woche später war daraus eine Schlagzeile geworden: Entwickler lässt KI Adobes Creative Cloud nachbauen und verschenkt sie. 🧵

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Erstens: Verschenkt wird die Software, verkauft wird nebenan etwas anderes. ArtCraft verkauft im Abo Credits für Bild- und Videomodelle von Google, OpenAI, ByteDance und Kuaishou. Die Apps hängen nicht daran: „These are not monetized in any way.“ Das Geld hat nur die Adresse gewechselt.

Zweitens: Das Projekt widerlegt sein eigenes Tempo, in seinen eigenen Unterlagen. Anfang Oktober fehlten PhotoCraft bis zum Ziel ein paar hundert Agentenstunden, zehn Tage später bis zum Gleichstand mit Photoshop Tausende. Die alte Zahl nennt das Dokument „far too optimistic“.

„Software is over. But for real. I just one-shotted Photoshop. The whole thing.“ Das schrieb am 1. Oktober ein Hacker-News-Nutzer, in einem Thread über Jobs. Eine Woche später war daraus eine Schlagzeile geworden: Entwickler lässt KI Adobes Creative Cloud nachbauen und verschenkt sie. 🧵

Gemeint war der Wert der Arbeit von Programmierern, nicht Adobe. Derselbe Kommentar endet mit „Our career is worthless soon.“ Gegen die „reporter mischaracterizations“ hat der Verfasser später im selben Thread widersprochen. Aufgegriffen hat das, soweit ich sehe, kein Bericht.

Hinter dem Konto steht nach allem, was sich ablesen lässt, Brandon Thomas, Gründer des KI-Studios ArtCraft. Sein Team hat in gut zwei Wochen dreizehn Nachbauten veröffentlicht, von Photoshop bis AutoCAD, in Rust, frei lizenziert, mit Claude gebaut. Die Erzählung dazu ist an drei Stellen schief.

Am 28. Oktober 2014 druckte Italiens Gesetzblatt das Symbol von Fratelli d'Italia: eine Flamme auf rotem Sockel, darin »M.S.I.«. Den Movimento Sociale Italiano gründeten 1946 auch Männer aus der Republik von Salò. Ein Jahr später verbot die Verfassung, die faschistische Partei wiederzugründen. 🧵

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In der Bundesrepublik verbot das Verfassungsgericht 1952 die SRP, die sich »selbst als Nachfolgeorganisation der NSDAP fühlt«. Nachfolgeparteien gab es in beiden Ländern. Der MSI saß ab 1948 im Parlament und wurde nie aufgelöst. Zwischen Verfassung und Partei stand kein Urteil.

Am 28. Oktober 2014 druckte Italiens Gesetzblatt das Symbol von Fratelli d'Italia: eine Flamme auf rotem Sockel, darin »M.S.I.«. Den Movimento Sociale Italiano gründeten 1946 auch Männer aus der Republik von Salò. Ein Jahr später verbot die Verfassung, die faschistische Partei wiederzugründen. 🧵

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Die Amnestie heißt bis heute Amnistia Togliatti, nach dem kommunistischen Justizminister. Angestoßen hat sie der König, ausgeweitet die Democrazia Cristiana, verantwortet Togliatti. Der Name ist nicht falsch, nur unvollständig. Danach leerten sich laut dem Historiker Hans Woller die Gefängnisse.

Im Dezember 1947 verbot die Verfassung die Wiedergründung in jeder Form. Das Strafgesetz derselben Versammlung war enger: Es setzte Miliz oder Gewalt voraus. Die Legge Scelba fasste den Tatbestand 1952 weit. Für die Auflösung verlangte sie aber ein Urteil oder einen Beschluss der Regierung.

Am 28. Oktober 2014 druckte Italiens Gesetzblatt das Symbol von Fratelli d'Italia: eine Flamme auf rotem Sockel, darin »M.S.I.«. Den Movimento Sociale Italiano gründeten 1946 auch Männer aus der Republik von Salò. Ein Jahr später verbot die Verfassung, die faschistische Partei wiederzugründen. 🧵

Wie passte das zusammen? Die Gesetzestexte zeigen es. Im April 1945 verbot ein Dekret jede Wiedergründung der faschistischen Partei, in welcher Form und unter welchem Namen auch immer, bei zehn bis zwanzig Jahren Haft. Es galt ein Jahr, bis Mitte Mai 1946.

Im Juni 1946 kam die Amnestie. Ihre Begründung zählt auf, was sie erfasst, zuletzt »die bislang allerdings nicht zahlreichen Versuche, die faschistische Bewegung wiederzugründen«. Sie waren amnestiert, sechs Monate bevor der MSI gegründet wurde.

Am 24. September saßen Trump und Xi im Oval Office. Vereinbart wurden Zollsenkungen, Kohlekäufe, ein Dialog über „super intelligence" und zwei Pandas für den Zoo von Atlanta. Im Faktenblatt des Weißen Hauses kommt Taiwan nicht vor. Wer nicht mit am Tisch saß, stand ohnehin fest. 🧵

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Erst darüber liegt die Achse Vereinigung oder Unabhängigkeit. Jede neue Kraft wird gefragt, ob sie blau oder grün ist, und wo sich außerhalb der Parteien etwas bewegt, bewegt es sich entlang der China-Achse. Die Geopolitik erklärt, warum das Vakuum bleibt. Nicht, warum es entstand.

Das Bild kippt: Dieselbe Insel beschäftigt 903.674 Wanderarbeitende, deren Aufenthalt meist nach zwölf Jahren endet. Wer sich an Washingtons Seite stellt, verteidigt auch dieses Regime; wer an Pekings, eine Macht, die mit Krieg droht. Einen einfachen Ausweg gibt es nicht. #Taiwan #Arbeit #Linke

blog.jochen-tetzlaff.onlineKein einfacher Ausweg: Warum Taiwans soziale Frage keinen Träger hatTaiwan ist eine funktionierende Demokratie, und die soziale Frage hat dort trotzdem keinen politischen Träger. Das liegt weniger an Peking und Washington als an einer Reihenfolge. Der Schlussteil der Serie über Taiwan.

Am 24. September saßen Trump und Xi im Oval Office. Vereinbart wurden Zollsenkungen, Kohlekäufe, ein Dialog über „super intelligence" und zwei Pandas für den Zoo von Atlanta. Im Faktenblatt des Weißen Hauses kommt Taiwan nicht vor. Wer nicht mit am Tisch saß, stand ohnehin fest. 🧵

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Die naheliegende Antwort heißt China. Aber was von außen zuerst sichtbar wird, ist nicht, was zuerst geschah. Zuerst wurde die Basis geteilt: Die Fertigung ging in die Volksrepublik und nach Südostasien, die Arbeit, die blieb, übernehmen seit 1992 Menschen ohne Bürgerrecht.

Dann wurde die Berufsgewerkschaft zum Versicherungsschalter. Nach dem Wahlsieg 2000 holte die DPP die Führung der Bewegungen in die Ämter. Zwei Wortführer der Parlamentsbesetzung von 2014 sitzen heute im Nationalen Sicherheitsrat und an der Spitze der Partei, die mit der Kuomintang stimmt.

Am 24. September saßen Trump und Xi im Oval Office. Vereinbart wurden Zollsenkungen, Kohlekäufe, ein Dialog über „super intelligence" und zwei Pandas für den Zoo von Atlanta. Im Faktenblatt des Weißen Hauses kommt Taiwan nicht vor. Wer nicht mit am Tisch saß, stand ohnehin fest. 🧵

Von außen ist Taiwan eine Frage zwischen Washington und Peking. Von innen eine andere: Warum hat die soziale Frage in einer funktionierenden Demokratie keinen politischen Träger? Die Arbeitnehmerentgelte lagen 2024 bei 43,1 Prozent des BIP, so niedrig wie nie gemessen.

Unzufriedenheit gibt es. Ko Wen-je warb 2024 gegen Blau und Grün und mit der sozialen Frage. Er holte 26,46 Prozent; bei den wahlwilligen 20- bis 29-Jährigen lag er in der letzten TVBS-Umfrage vor der Wahl mit 52 vorn. Bewirtschaftet wird die soziale Frage von allen Seiten, gestellt von keiner.

Am 1. November 1911 warf ein italienischer Leutnant über zwei Oasen bei Tripolis Bomben von zwei Kilogramm ab. Es war das erste Mal, dass aus einem Flugzeug Bomben auf Menschen fielen. Nicht unter Mussolini: elf Jahre vor dem Marsch auf Rom, für das liberale Italien. 🧵

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1937 dann das erste Rassengesetz: Es bestraft den Italiener, der mit einer »persona suddita« Italienisch-Ostafrikas eine eheähnliche Beziehung unterhält. Maßgeblich ist der Status, nicht die Abstammung. Das Judengesetz von 1938 beginnt mit derselben Konstruktion. Nur trennt jetzt die Rasse.

Am 1. November 1911 warf ein italienischer Leutnant über zwei Oasen bei Tripolis Bomben von zwei Kilogramm ab. Es war das erste Mal, dass aus einem Flugzeug Bomben auf Menschen fielen. Nicht unter Mussolini: elf Jahre vor dem Marsch auf Rom, für das liberale Italien. 🧵

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Im April 1928 ratifizierte Italien das Genfer Gasverbot, »ohne jeden Vorbehalt«. Siebzehn andere Staaten behielten sich den Gegeneinsatz vor. Den ersten Gaseinsatz der italienischen Luftwaffe in Libyen datiert der Historiker Aram Mattioli auf den 6. Januar 1928. Drei Monate davor.

Am 3. Oktober 1935 marschierte Italien ohne Kriegserklärung in Abessinien ein. Gut neun Monate vorher hatte Mussolini eine »absolute Überlegenheit von Artillerie und Gas« angeordnet. Nötig war das Gas nicht. »Das Giftgas war nicht kriegsentscheidend«, schreibt Mattioli. Es war eine Entscheidung.

Am 1. November 1911 warf ein italienischer Leutnant über zwei Oasen bei Tripolis Bomben von zwei Kilogramm ab. Es war das erste Mal, dass aus einem Flugzeug Bomben auf Menschen fielen. Nicht unter Mussolini: elf Jahre vor dem Marsch auf Rom, für das liberale Italien. 🧵

Die Rückeroberung Libyens begann 1921, im liberalen Italien. Unter Mussolini bekam sie eine neue Qualität. 1930 ordnete Badoglio an, Rebellen und Bevölkerung zu trennen, »auch wenn die ganze Bevölkerung der Cyrenaika zugrunde gehen sollte«. In 15 Lagern starben schätzungsweise 40.000 Menschen.

Am 8. September, zwei Tage nachdem sich das italienische Kollektiv Autistici/Inventati aufgelöst hatte, antwortete noblogs.org noch immer. HTTP 200, reguläre Startseite, kein Abschiedshinweis. Nur autistici.org nicht. Diese Domain hatte seit elf Tagen keinen DNS-Eintrag mehr. 🧵

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Am 6. September löste sich das Kollektiv auf. Nicht technisch begründet — nichts war kaputt —, sondern fürsorglich: Der bloße Kontakt zu ihm war für alle anderen zum Risiko geworden. Wo nicht die Schuld sanktioniert wird, sondern die Berührung, nützt die Unschuld nichts.

Und dann ist der wirksamste Vollstrecker der Betroffene selbst. 2004 klagte Trenitalia gegen eine Antikriegssatire auf autistici.org — und verlor. Es gab ein Aktenzeichen, ein Urteil, einen Verfassungsartikel. 2026 ist davon nichts übrig. Ausführlich im Blog 👇 #Italien #Sanktionen #Netzpolitik

blog.jochen-tetzlaff.onlineVollzug ohne Urteil: Wie Autistici/Inventati in elf Tagen verschwandKein Server beschlagnahmt, kein Inhalt gelöscht, kein Gericht bemüht — es wurde ein Domainname stillgelegt und ein Bankkonto gekündigt. Eine Chronik des Vollzugs ohne Urteil.

Am 8. September, zwei Tage nachdem sich das italienische Kollektiv Autistici/Inventati aufgelöst hatte, antwortete noblogs.org noch immer. HTTP 200, reguläre Startseite, kein Abschiedshinweis. Nur autistici.org nicht. Diese Domain hatte seit elf Tagen keinen DNS-Eintrag mehr. 🧵

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Italien war zu nichts verpflichtet: Eine einseitige US-Maßnahme erzeugt im Inland keine Anwendungspflicht, so das Innenministerium. Und die Bank stand auf keiner Liste. Sekundärsanktionen hätten ihre eigene Listung vorausgesetzt.

Die Banca Etica arbeitet seit September 2025 mit dem europäischen Dachverband an einer Frage: Wie schützt sich eine Bank in so einem Fall? Sie schrieb an Regierung, Abgeordnete, EU-Institutionen. Keine Antwort. Die Grauzone entstand nicht durch eine Handlung, sondern durch ein Jahr Unterlassen.

Am 8. September, zwei Tage nachdem sich das italienische Kollektiv Autistici/Inventati aufgelöst hatte, antwortete noblogs.org noch immer. HTTP 200, reguläre Startseite, kein Abschiedshinweis. Nur autistici.org nicht. Diese Domain hatte seit elf Tagen keinen DNS-Eintrag mehr. 🧵

Die deutschsprachige Presse schrieb, das Kollektiv sei „Geschichte", es „gibt auf", es werde „abgeschaltet". Keines dieser Verben trifft. Abgeschaltet hat niemand etwas. Es wurde ein Name aus einem Verzeichnis genommen und ein Bankkonto gekündigt — und das genügte.

Zählt man nach, ist die Liste kurz: ein Domainname im Registry-Status serverHold. Ein PayPal-Spendenkonto. Ein Bankkonto samt Guthaben. Das ist alles. Der Server lief durch. Kein Inhalt gelöscht, kein Bescheid, kein Verfahren, kein Richter, keine Verurteilung.

Wer ein Notebook umdreht, findet den Markennamen, eine Seriennummer und drei Wörter: Made in China. Was dort nicht steht, ist der Name der Firma, die das Gerät gebaut hat. Mit einiger Wahrscheinlichkeit heißt sie Quanta, sitzt in Taoyuan und ist taiwanisch. 🧵

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Bei Quanta sieht das heute so aus: 10.933 Beschäftigte in Taiwan, 37.307 in den chinesischen Werken. Und von 25.097 befristeten Verträgen des Konzerns liegen 25.097 in China. In Taiwan keiner.

Dieselbe Rechnung lief nach innen. Am 8. Mai 1992 beschloss Taiwan das Gesetz, das Arbeit ohne Bürgerrechte begründete — sieben Monate vor der ersten freien Parlamentswahl. Heute leben 903.674 Wanderarbeitende im Land. #Taiwan #China #Arbeit

blog.jochen-tetzlaff.onlineDer Schatten hinter jeder Taiwanerin: Wie Taiwans Kapital China mitbauteOhne taiwanisches Kapital hätte Chinas Aufstieg nicht dieses Tempo gehabt. Dazu ein Migrationsregime, das sieben Monate vor der ersten freien Parlamentswahl beschlossen wurde. Teil 4 einer Serie über Taiwan.

Wer ein Notebook umdreht, findet den Markennamen, eine Seriennummer und drei Wörter: Made in China. Was dort nicht steht, ist der Name der Firma, die das Gerät gebaut hat. Mit einiger Wahrscheinlichkeit heißt sie Quanta, sitzt in Taoyuan und ist taiwanisch. 🧵

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Gerechnet hat es sich kaum. Dasselbe Gerät kostete in Taiwan 678 Dollar, in China 666 — mit Fracht 1,8 Prozent Ersparnis. Die Gewinnmarge der vier Großen fiel im selben Zeitraum von zehn auf sechs Prozent. Das war keine Entscheidung. Das war eine Konkurrenzlage.

Wie groß das wurde, ist nur geschätzt: Ende 2008 beschäftigten taiwanische Firmen in China rund 14,4 Millionen Menschen. Mehr, als Taiwan überhaupt Erwerbstätige hat. Taipeh hatte 37.181 Vorhaben in den Büchern. Peking zählte 77.506.

Wer ein Notebook umdreht, findet den Markennamen, eine Seriennummer und drei Wörter: Made in China. Was dort nicht steht, ist der Name der Firma, die das Gerät gebaut hat. Mit einiger Wahrscheinlichkeit heißt sie Quanta, sitzt in Taoyuan und ist taiwanisch. 🧵

Bis 2001 war das verboten. Taiwans Notebookbranche durfte nicht in China investieren. Am 7. November 2001 hob die Vorsitzende des Mainland Affairs Council das Verbot auf. Sie hieß Tsai Ing-wen. Anteil der taiwanischen Notebookfertigung in China: 2000 null Prozent, 2005 dreiundneunzig.