Kurt Fischer

Kurt Fischer

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ehem. Bürgermeister v. #Lustenau | philosophiert u. macht Lieder | w*ortbegeistert | twittert privat - Former mayor of #Lustenau | loves philosophy & writing songs

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»Vielleicht war es das triumphale Geheimnis der Faschisten, daß es ihnen gelang, diese psychopolitische Front zu sprengen und einen zynischen Idealismus, ein konsequentes Lavieren, ein charaktervolles Mitschwimmen und ein nihilistisches Jasagen zu erfinden. Der Erfolg 1/2

des völkischen Nihilismus gründete nicht zuletzt in dem verführerischen Trick, dem Gros der Verweigerer, der Unglücklichen u. der Neinsager die Aussicht vorzugaukeln, sie seien doch die wahren Realisten u. die berufenen Mitgestalter einer neuen, grandios vereinfachten Welt.« 2/2 #PeterSloterdijk

»Im Schicksalsjahr 1925 hat Hitler in Mein Kampf die Grammatik der Verdummung veröffentlicht; … Er ging zu Recht davon aus, daß der Raffinierte dem bloß »Intelligenten« überlegen sei. Der Intelligente weiß Erfahrungen zu machen und sie auf differenzierte Weise zu durchdenken. 1/3

Der Raffinierte weiß, wie man Differenzierungen wieder über Bord wirft. … Hitler forderte in einer einmalig durchsichtigen Ausdrucksform, was Neu- und Jungkonservative durchwegs charakterisiert: 2/3

Selbstvertrauen ohne Selbsterfahrung; Suggestion gegen Wahrnehmung. Das ergibt die Identitäten aus der primitiv-raffinierten Retorte.« 3/3 #PeterSloterdijk

» Der Faschismus und seine Nebenströmungen waren ja – philosophisch gesprochen – zu einem guten Teil Vereinfachungsbewegungen. Aber daß gerade die Marktschreier der neuen Einfachheit (gut - böse, Freund - Feind, »Front«, »Identität«, »Bindung«) ihrerseits 1/4

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das sind doch Strukturen, die im Unterirdischen noch komplexer sind als die Kompliziertheiten des modernen Lebens, gegen die sie sich wehren. Denn sie sind defensive und reaktive Gebilde - zusammengesetzt aus modernen Erfahrungen und Leugnungen derselben. 3/4

Die Antimoderne ist womög- lich moderner und komplexer als das, was sie ablehnt; auf jeden Fall ist sie trüber, dumpfer, brutaler, zynischer. In einer so »verunsicherten« Welt wuchs der Hochstapler zum Zeittypus par excellence heran.« 4/4 #PeterSloterdijk KdzV 1983

» Der Faschismus und seine Nebenströmungen waren ja – philosophisch gesprochen – zu einem guten Teil Vereinfachungsbewegungen. Aber daß gerade die Marktschreier der neuen Einfachheit (gut - böse, Freund - Feind, »Front«, »Identität«, »Bindung«) ihrerseits 1/4

durch die moderne und nihilistische Schule der Raffinessen, des Bluffs und der Täuschung gegangen sind - das sollte den Massen erst viel zu spät klarwerden. Die so einfach klingenden »Lösungen«, das »Positive«, die neue »Stabilität«, die neue Wesentlichkeit und Sicherheit: 2/4

»Es ist die Grundfigur aller Sinngebungen von rechts: man tauscht Absurdität gegen Identität; man gewinnt Ichgefühle durch die Leugnung kritischer Erfahrung. »Haltung«. Die Neokonservativen machen es bis heute nicht anders.« #PeterSloterdijk

»Um Spätzeiten handelt es sich, wenn ursprüngliche Kräfte, wertstabile Naivitäten und primitivere Willensspan- nungen in einer kulturbeherrschenden Schicht sich durch strategische Lernprozesse aufgezehrt haben. 1/3

Zynisch disponiert sind darum die Zeiten der hohlen Gesten und der raffiniert abgekarteten Phraseologie, wo unter jedem offiziellen Wort sich private Vorbehalte, Gegenwelten und Ironien verstecken und wo unter öffentlichen Verlautbarungen stumme Submonologe fließen, 2/3

von denen nur der Eingeweihte, der Mitkorrupte, Mitdekadente, Mitironiker etwas weiß. Das Lächeln der Auguren ist auch das Lächeln untergehender herrschender Klassen.« 3/3 #PeterSloterdijk Wer hätte sich 1983 mitkorrupte, mitdekadente Figuren wie Putin und Trump vorstellen können.

Sloterdijks Kritik der zynischen Vernunft war kein One-Hit-Wonder, seither sind bei @suhrkamp.de unzählige gute Bücher erschienen, aber für mich bleibt es seine KdzV ein unerreichter erster großer Wurf. »Der nächste Großkrieg sieht nur noch Schizophrene und Maschinen als Kombattanten. 1/4

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der Mensch war ein Fehlschlag. Die Aufklärung kann nur ein Resümee ziehen: der Mensch ist nicht aufzuklären, weil er selbst die falsche Prämisse der Aufklärung war. Der Mensch genügt nicht. 3/4

Er trägt in sich selbst das verdunkelnde Prinzip der Verstellung, und wo sein Ich erscheint, kann nicht leuchten, was durch alle Aufklärungen versprochen wurde: Licht der Vernunft.« 4/4

Sloterdijks Kritik der zynischen Vernunft war kein One-Hit-Wonder, seither sind bei @suhrkamp.de unzählige gute Bücher erschienen, aber für mich bleibt es seine KdzV ein unerreichter erster großer Wurf. »Der nächste Großkrieg sieht nur noch Schizophrene und Maschinen als Kombattanten. 1/4

Staatstragende Homunculi, lemurisch gespaltene Verwalter der Destruktivkräfte drücken, wenn »es sein muß«, auf die entscheidenden Knöpfe, und heroische Roboter sowie denkfähige Höllenmaschinen stürzen sich aufeinander - das experimentum mundi ist zu Ende; 2/4

»Wir leben in einer Welt, die die Dinge in falsche Gleichungen bringt, falsche Gleichförmigkeiten und falsche Gleichwertigkeiten (Pseudo-Äquivalenzen) zwischen allem und jedem herstellt und dadurch auch zu einer geistigen Desintegration und Gleichgültigkeit gelangt, 1/2

in der die Menschen die Fähigkeit verlieren, Richtiges und Falsches, Wichtiges und Unwichtiges, Produktives und Destruktives voneinander zu unterscheiden … Der Zynismus führt in letzter Instanz zurück auf die amoralische Gleichsetzung von Verschiedenem …« 2/2 #PeterSloterdijk

#Sloterdijk vor 43 Jahren prophetisch: »Die Massenmedien erst haben eine Kapazität entwickelt, die keine rationalistische Enzyklopädie, kein Kunst- werk und keine Lebensphilosophie in diesem Ausmaße gekannt hat: mit unermeßlicher Fassungskraft steuern sie auf das zu, 1/2

wovon die große Philosophie immer nur träumen konnte: die Totalsynthese - freilich auf dem Nullpunkt der Intelligenz, in Gestalt einer Totaladdition.« 2/2 #KI als Totaladdition auf dem Nullpunkt der Intelligenz

» Der moderne Primitivkonserva- | tismus verdsankt außerordentlich viel einem entsprechenden Primitivjournalismus, der jeden Tag zynische Restauration betreibt, indem er jeden tag so tut, als könnte jeder Tag seine eigene Sensation haben und als sei nicht, gerade durch seine Berichterstattung, 1/3

in unseren Köpfen längst eine Bewußtseinsform entstanden, die den Skandal als Lebensform und die Katastrophe als Hintergrundgeräusch hinzunehmen gelernt hat. Mit einem erlogenen und sentimentalen Moralismus wird immer wieder ein Weltbild aufgerichtet, 2/3

»Dem Bewußtsein, dass sich nach allem Seiten hin informieren läßt, wird alles problematisch und alles egal.« #PeterSloterdijk Kritik der zynischen Vernunft (1983)

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In one day, two politicians - Bolsonaro in Brazil and Vucic in Serbia - with ties to Trump have lost surprise elections thanks to high turnout. The rise of the international far-right is not inevitable.

»Wenn es in einer Welt der Individuen eine Gemeinschaft geben soll, kann es nur (und muß es notwendigerweise auch) eine Gemeinschaft sein, die auf Teilen und gegenseitiger Fürsorge beruht, eine Gemeinschaft, die Verantwortung übernimmt und sich aktiv darum kümmert, 1/2

»Die unteren drei Viertel der Amerikaner und die unteren 95 Prozent der Weltbevölkerung sollen sich über ethnische und religiöse Fragen streiten [...] Wenn sie von ihrer Hoffnungslosigkeit durch mediale Pseudoereignisse abgelenkt werden können, 1/2

„Der gesellschaftliche Hintergrund hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert. Einer der folgenreichsten Aspekte dieser Veränderung ist die Emanzipation des »Problems der Anerkennung« vom Problem der Umverteilung. Forderungen nach Anerkennung werden heute in aller Regel 1/3

ohne Bezug auf Verteilungsgerechtigkeit geäußert. Auch damit werden stillschweigende Voraussetzungen gemacht, doch widersprechen diese im Gegensatz zu den Weber'schen den Tatsachen. Vorausgesetzt wird nämlich, eine gesetzlich garantierte Entscheidungsfreiheit bedeute, 2/3

daß man sich tatsächlich frei entscheiden kann - was offenkundig nicht der Fall ist. Auf dem Weg zur »kulturalistischen« Variante des Menschenrechts auf Anerkennung wird das ungelöste Problem des Menschenrechts auf Wohlstand und ein würdiges Leben über Bord geworfen." 3/3 #ZygmuntBauman

»Beide Entwicklungen - das Absterben kollektiver Umverteilungsforderungen (allgemeiner: die Ersetzung des Kriteriums sozialer Gerechtigkeit durch das einer auf kulturelle Distinktion reduzierten Achtung von Differenz) und die Zunahme maßloser Ungleichheit - gehören zusammen. 1/3

Ihre Koinzidenz ist keineswegs zufällig. Solange Anerkennungsforderungen die Problematik der Umverteilung aussparen, läßt sich die durch die existentiellen Unsicherheiten der flüchtigen Moderne erzeugte Zunahme individueller Besorgnis aus dem Bereich der Politik fernhalten, 2/3

indem man ihren sozialen Ursprung ignoriert. Nur auf politischem Wege könnten aus diesen Forderungen befreiende Maßnahmen werden, nur hier ließen sich jene Besorgnisse radikal angehen.« 3/3 #ZygmuntBauman

»Wenn Proteste ihren kollektiven Charakter verlieren, muß man auch mit dem Verschwinden der »Referenzgruppen« rechnen, die in der Moderne als Bezugspunkt zur Messung relativer Deprivation dienten. Genau das ist der Fall. Die Erfahrung, daß das Leben aus individuellen Bestrebungen besteht, 1/2

führt dazu, den Wohlstand bzw. die Armut anderer Menschen vor allem als Folge ihres Fleißes bzw. ihrer Faulheit … zu betrachten (lediglich »Naturkatastrophen« wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Dürren sind von dieser Individualisierung ausgenommen;« 2/2 #ZygmungBauman

„Wenn die Idee »sozialer Gerechtigkeit« ihre Bedeutung unter den Bedingungen der flüchtigten Moderne zurückgewinnen soll, muß man eine Gesellschaft wollen, die sich bemüht, »jedem eine Chance zu geben«, 1/2

und deshalb jene Hindernisse beseitigt, die dem Ergreifen einer solchen Chance im Weg stehen. Wir wissen heute, daß man dies nicht auf einen Schlag bewerkstelligen kann, indem man eine neue, künstliche Ordnung einsetzt." 2/2 #ZygmuntBauman

„Nancy Frazer hatte daher recht, als sie gegen die »weitverbreitete Trennung zwischen der Politik kultureller Differenzierung und der Politik sozialer Gerechtigkeit« protestierte und darauf beharrte, daß »zur Gerechtigkeit heute sowohl Umverteilung als auch Anerkennung gehören.«“ #ZygmungBauman 1/2

»Die neue globale Machtelite, die exterritorial lebt und sich gegen jede »Bindung an ort und Stelle« (und besonders gegen langfristige, verpflichtende Bindungen) wehrt, hat die Ambition moderner Eliten zur Schaffung einer neuen und besseren Ordnung praktisch komplett aufgegeben – 1/2

und sie hat auch deren unersättlichen Appetit auf die Administration und tägliche Verwaltung von Ordnung verloren. Die Projekte der Weiterentwicklung von »Zivilisation, Kultur und Wissenschaft« – … sind nicht mehr en vogue …« 2/2 #ZygmuntBauman

»In der weichen und gefügigen, formlosen Welt der globalen Eliten aus Wirtschaft und Kulturindustrie, in der alles erlaubt ist und nichts lange so bleibt, wie es war, ist kein Platz für harte Realitäten wie Armut oder die Entwürdigung, von der Gesellschaft allein gelassen zu werden, 1/3

oder die demütigende Unfähigkeit, am Konsumspiel teilzunehmen. Die neue Elite, die über genügend Fahrzeuge verfügt, um sich nicht um den Zustand des öffentlichen Verkehrswesens sorgen zu müssen, hat in der Tat jene Brücken hinter sich hochgezogen, 2/3

die ihre Eltern einst überschritten; sie vergaß dabei aber, daß diese Brücken von der Gesellschaft errichtet und gepflegt wurden - und daß, wäre dies nicht der Fall gewesen, sie selbst kaum dort hingelangt wäre, wo sie heute ist.« 3/3 Zygmunt Bauman: »Gemeinschaften« @suhrkamp.de