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1/ Ich bin katholisch aufgewachsen. Ein zentraler Grund, warum ich gläubig war: Die Parameter der Welt -- Sauerstoff, Temperatur, Schwerkraft etc. -- fallen genau so aus, dass sie unser Leben ermöglichen. Das Universum ist perfekt auf uns abgestimmt. Das kann kein Zufall sein.🧵

2/ Das ist ein Trugschluss, der sich aus einem Selektionseffekt ergibt. Im kreationistischen Argument selektieren wir a posteriori unsere Existenz als Grundlage der Analyse.

3/ Dabei ignorieren wir, dass es a priori ganz viele andere Welten hätte geben können. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Menschen zufällig entstehen, ist a priori sehr klein. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas entsteht, ist a priori aber deutlich grösser.

4/ Es ist wie im Lotto: Die Wahrscheinlichkeit, dass ausgerechnet Hans Müller den Jackpot knackt, ist praktisch Null. Die Wahrscheinlichkeit, dass *irgendjemand* den Jackpot knackt, ist relativ hoch.

5/ Wenn wir Lotto a posteriori anhand von Hans Müller analysieren, kommen wir zum falschen Schluss, dass das doch nicht Zufall gewesen sein kann.

6/ Wenn die Erde leicht andere Parameter hätte, wären vielleicht keine Menschen entstanden, sondern hochintelligente Tintenfische. Aus ihrer Perspektive würden die Tintenfische dann auch sagen: Die Welt ist so perfekt auf uns abgestimmt, das kann doch kein Zufall sein.

7/ Doch, kann es. Nur verstehen wir das nicht, weil Selektionseffekte den analytischen Blick sehr oft trüben. Damit wir nicht auf sie hereinfallen, müssen wir uns immer fragen: Was sehe ich nicht? Oder, etwas bildlicher: Was würden die Tintenfische sagen? 🦑

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